Die Schülerzeitung des Friedrich-List-Gymnasiums Reutlingen

Das Problem mit den Sozialen Medien

Social Media, 3D-Darstellung, Blase, Planeten, Netzwerk

https://pixabay.com/de/illustrations/social-media-3d-darstellung-blase-2636256/ (Zugriff: 30.11.2020)


David Doebel
Instagram, Twitter, Google und Facebook, sind die Inbegriffe von unserer heutigen digitalen Ära. Allesamt amerikanische, extrem reiche Großkonzerne, die uns auf den ersten Blick sehr nützliche und kostenlose Tools an die Hand geben. Jedoch ergibt sich dann die Frage: Wie können diese Konzerne Geld verdienen und gleichzeitig kostenlos sein? Das liegt daran, dass nicht wir die Kunden sind, sondern in Wirklichkeit das Produkt, das an andere Betriebe kaufen. Plakativ gesagt verkaufen diese Firmen Werbefläche. Doch nicht etwa eine normale, statische Werbefläche für die gesamte Stadt gleich, wie eine Litfaßsäule. Nein, je sicherer sich der Werbetreibende sein kann, dass der Kunde auf seine Werbung anspringt, desto mehr bezahlt er Google, Facebook und Co. Um das zu gewährleisten agieren die Internetgiganten in drei Ebenen: Erstens ist es das Ziel, uns über einen möglichst langen Zeitraum über am Bildschirm zu halten, indem uns personalisierte Vorschläge angezeigt werden, verschiedene Effekte in den Benachrichtigungen unsere Aufmerksamkeit einfangen sollen. So steht als Nachricht auf dem Sperrbildschrim nur „xy hat auf ihren Post reagiert“ anstatt, dass gleich der Inhalt dieser Reaktion angezeigt wird. Dazu muss man die App öffnen und bleibt im besten Fall weiter dort und sieht Werbung. Sie sammeln ALLE Daten von uns und erstellen eine möglichst detailgetreue Simulation unserer wahren Persönlichkeit, unserer Vorlieben um den Werbetreibenden vorherzusagen, welche Nutzer auf ihr Produkt anspringen werden und welche Nutzer nicht. Ein Beispiel: Wenn Google-Computer sehen, dass ein Nutzer noch nie das Video über Lippenstift angeklickt hat, dann können sie davon ausgehen, dass es sich um einen Mann handelt, der wohl wenig empfänglich sein wird für Ballkleid-Werbung. Ständig werden an uns kleine Experimente durchgeführt. Je mehr Verhaltensdaten wir dabei generieren, desto genauer wird unsere Computersimulation. Überspitzt formuliert weiß Google nach einiger Zeit mehr über uns als wir über uns selbst. Doch dabei bleibt es nicht. In einer dritten Ebene versuchen sie nämlich uns sogar in unseren Ansichten zu lenken, indem sie bereits vorhandene Meinungen und Vorlieben durch gezieltes Präsentieren von passenden Inhalten weiter ausbauen, damit eine größere Masse auf bestimmte Werbung reagiert. Das bedeutet in der Praxis, dass jedem Nutzer ein anderes Angebot, andere Nachrichten präsentiert werden, je nach seinen Vorlieben, sodass er sich immer im Recht, immer in einer Gruppe von Gleichgesinnten sieht. Und das führt zu großen gesellschaftlichen Problemen. Doch dazu später mehr.

Künstliche Intelligenz

Künstliche Intelligenz ist nicht etwa ein Begriff aus dem Science Fiction Vokabular, nein es ist die Realität. Schon heute werden Daten von allen Internetnutzern in gigantischen Rechenzentren gespeichert und vollautomatisch verwertet. Dabei gehen die Rechner eben nicht wie früher statisch und objektiv Punkt für Punkt ab, sondern sind so programmiert, dass sie die Wege zu einem gewünschten Resultat weitgehend selbständig finden und ständig verbessern. Dabei sind diese Algorithmen derart kompliziert, dass nur wenige Menschen in den Internetkonzernen einen Überblick darüber haben nochmal weniger, die diese Künstliche Intelligenz verstehen und koordinieren können. Wieder könnte man sehr plakativ sagen, dass der Mensch langsam aber sicher die Kontrolle über die Maschine verliert und diese sich selbständig macht. Aber fest steht, dass den Entwicklern die negativen Auswirkungen nicht klar waren, die durch diese Geschäftsweise zustande kommen, wo ein Werkzeug nicht der Menschheit dient, sondern den Menschen ausnutzt. Fast wie eine Massentierhaltung, wo die Tiere keineswegs aus Freundlichkeit ernährt werden, sondern um dann das Fleisch zu verkaufen, aus Eigennutz also.

Probleme über Probleme

Die offensichtlichen, persönlichen Probleme und präsentesten Probleme sind das Suchtpotential. Es liegt wie bereits verdeutlicht nicht im Interesse der Internetindustrie eine Internet-Sucht zu verhindern. Viel mehr ist das Gegenteil der Fall. Auch ein anderes Wesensmerkmal von Sozialen Medien führen zu einer signifikanten Zunahme von Depressionsfällen. Das fand eine Studie einer Krankenkasse heraus. Sie verglich die Zahl von Arbeitsunfähigkeit aufgrund von Depressionen in den Jahren 2003 bis 2015 und stellte fest, dass ab 2010 mit den Anfängen der digitalen Ära die Rate sowohl bei den Männern, als auch bei den Frauen stark ansteigt. Ein wichtiger Grund ist sicherlich Sozial Media, denn dort wird Menschen ein überregionaler Blick eröffnet und es wird möglich ein perfektes, meist irreales Leben durch Bildbearbeitung und nicht nachprüfbare Übertreibung, zu sehen. Es entsteht dort also eine falsche Welt, mit der sich die „normalen“ Sterblichen beginnen zu vergleichen und ihr Leben logischerweise als schlechter zu sehen beginnen. Das kann zu Depressionen, Minderwertigkeitskomplexen und sogar Suiziden führen. Das sind Probleme, die auf der Oberfläche schwimmen. Es gibt aber auch solche, die auf persönlicher Ebene nicht direkt spürbar, auf gesellschaftlicher hingegen zerstörerisch wirken. Es ist die angerissene, kommerzielle Polarisierung. Wenn beispielsweise ein Mensch mit oppositioneller Tendenz dies Google durch seine Videoauswahl zeigt, so wird ihm immer mehr solcher Videos angeboten, er sieht sich immer mehr in seiner Ansicht bestätigt, wird polarisiert, oder sogar radikalisiert. Anstatt von sachlichen Mitteilungen für alle werden Menschen die emotionalen, unsachlichen Angebote präsentiert, in beide politische Seiten. Die Gesellschaft wird gespaltet und kann beginnen sich selbst zu bekämpfen oder zu bekriegen. Besonders in Krisenzeiten, wie dieser wo Ungewissheit und eine unkomfortable Lebensweise herrscht. Besonders alarmierend, wenn man sich dieses Werkzeug in den Händen von Diktatoren vorstellt. Jüngste Ereignisse, wie ausschreitende Corona Demos zeigen die Folgen, wenn zwei Parteien nicht mehr miteinander diskutieren oder einander hören.

Die Menschheit kann nicht weiter bestehen, wenn die Ökonomie über ethisch-gesellschaftliche Interessen gestellt werden. Solange also das Internet absichtlich süchtig macht und polarisiert, solange es für Supermärkte einfacher (günstiger, rechtskonformer) ist abgelaufene Lebensmittel wegzuschmeißen und solange ein gefällter Baum mehr Geld bringt als ein lebendiger, solange dieser totale ökonomische Raubbau vorherrscht ist das Erzielen eines Umdenkens, das Erreichen von Klimazielen und der Wunsch nach einer besseren Gesellschaft höchst utopisch.

Was denken Sie über dieses wagemutige Postulat und welche Auswege sehen Sie aus der angedeuteten Dystopie? Schreiben Sie es in die Kommentare dieses Beitrages. Wir personalisieren es auch nicht für andere 😊.

Quellen: Statistik zu Depression: NIER, Hedda: Depression: Auf dem Weg zu Volkskrankheit, (7.04.2017) URL: https://de.statista.com/infografik/8864/depression_-auf-dem-weg-zur-volkskrankheit/   (Zugriff: 30.11.2020)

Inhalt: https://www.netflix.com/title/81254224?s=i&trkid=251359874 (Zugriff: 30.11.2020)

 

1 Kommentar

  1. A. G.

    Super Artikel! Es entspricht ziemlich dem, was ich auch immer wieder an Social Media kritisiere und ist echt gut formuliert!

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